Leserückblick Februar
Der Februar war eher ruhig, was das Lesen angeht. Ich habe “Der Duft von Zimt” von Rebecca Eder fertig gelesen, das November-Buch meines Buchclubs. Dabei geht es um eine junge Frau namens Josephine. Sie ist Bäckerin und lebt in Hamburg, das im Jahr 1812 von Napoleon besetzt ist. Dort gibt es Nahrungsmittelengpässe, wodurch der Schmuggel mit Lebensmitteln blüht. Auch Josephine beteiligt sich dabei und versteckt in ihrem Keller Zimt, Zucker und Zitronen, mit welchen sie zum Beispiel sogenannte “Geduldszettel” backt. Während einer langen Nacht in der Backstube erfindet sie mit ihrem French Crush Pépin das Franzbrötchen, wofür Hamburg ja bekannt ist. Inspiriert von der Geschichte, habe ich dann an einem regnerischen Samstag im Februar mit meiner Tochter Franzbrötchen gebacken:
Mit seinen rund 520 Seiten ist der Roman recht umfangreich, und besonders zu Beginn fiel es mir schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Erst etwa ab der Hälfte gewinnt die Handlung deutlich an Spannung. Vor allem die aufkeimende Gegenwehr der Hamburger Bevölkerung gegen die französische Besatzung sowie die sich verdichtenden Beziehungen rund um Josephine sorgen für mehr Dynamik.
Zwei Zitate sind mir als Texterin besonders aufgefallen, da hierbei deutlich wird, dass Verben meistens besser funktionieren als Adjektive:
„…ein kleines Mädchen vergrub das kalte Gesichtchen in den zersausten Haaren seiner blutjungen Mutter.” (S. 471)
„Müde Füße schlurften durch den Straßendreck, Kindernasen schnieften, Schultern wurden hoch- und Köpfe eingezogen.“ (S. 473)
Der Duft von Zimt ist ein historischer Roman mit interessanten Einblicken in eine bewegte Zeit. Wer bereit ist, sich durch den etwas zähen Anfang zu lesen, wird mit einer zunehmend spannenden Geschichte und liebevollen Details belohnt.
The Notekeeper von Hannah Treave
Wer und was bleibt am Ende des Lebens? Damit beschäftigt sich der Roman “Rückwärts träumen” von Hannah Treave (englisches Original “The Notekeeper”). Im Buch geht es um eine Frau namens Zoe, die aufgrund eines Schicksalschlages von Australien nach Großbritannien auswandert und eine neue Heimat in Bath findet. Sie arbeitet im Hospiz und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die letzten Botschaften der Sterbenden zu notieren. Es geht also viel um das Thema Tod, aber mehr auf eine hoffnungsvolle als auf eine schwerfällige Art und Weise. Zoe macht sich viele Gedanken dazu, wie sie die letzten Stunden ihrer Patient:innen so angenehm wie möglich gestalten kann.
Der Einstieg fiel mir jedoch nicht ganz leicht. Die Handlung ist anfangs eher unglaubwürdig, die Figuren bleiben oberflächlich, und auch im weiteren Verlauf fehlt es stellenweise an Spannung. Dafür punktet das Buch mit seiner einfühlsamen Betrachtung des Lebensendes und den leisen, zwischenmenschlichen Momenten.
Besonders gefallen hat mir die Beschreibung der Schauplätze. Orte wie die Pulteney Bridge oder die Küstenlandschaften in Cornwall haben bei mir sofort eigene Erinnerungen geweckt und der Geschichte zusätzliche Tiefe verliehen.
„Before long, the bus neared Bath city centre and Zoe looked out of the grime-smeared window as they neared the Guildhall. Further up ahead was the creamy stone of the abbey, then the weir at Pulteney Bridge with rushing water so loud you had to shout to make yourself heard.“ (S. 16)
„As they headed outside and rambled along the dramatic landscape of the Cornish coastline, Zoe felt on top of the world. The green hills rolled on for miles while the dark, majestic blue of the sea contrasted starkly with the grey cliffs below.“ (S. 287)

Insgesamt ist Rückwärts träumen ein ruhiger, nachdenklicher Roman, der weniger durch Spannung als durch Atmosphäre und Thema überzeugt. Meiner Meinung nach hätte die Autorin die Handlung zugunsten der Spannung etwas verdichten können. Wer aber gerne Bücher mit einem langsameren Tempo mag, wird an dieser einfühlsamen und ruhigen Geschichte seine Freude haben.










